Kann man eigentlich zu viel trinken?

Wer viel zu viel Flüssigkeit aufnimmt, kann seine Gesundheit gefährden. Besonders aufpassen müssen Nieren-, Herz- und Leberpatienten. Professor Johannes Mann erklärt die Risiken

Die richtige Menge Wasser ist überlebenswichtig

 

Sie schaukelt in der Handtasche. Sie kommt mit in die Straßenbahn. Sie steht auf vielen Schreibtischen, ja sie darf sogar mit ins Kino. Von der Wasserflasche ist die Rede. Fast könnte man meinen, ganz Deutschland hätte ständig Angst vor dem Verdursten.

Dass viele Bundesbürger so darauf bedacht sind, ihren Organismus ausreichend mit Wasser zu versorgen, mag das Ergebnis der vielen Beiträge darüber sein, wie wichtig es ist, genug zu trinken. Wasser macht gesund. Wasser macht schön. Wasser macht fit – so haben wir's gelernt. Und da ist sicherlich auch etwas Wahres dran. Aber wie immer im Leben gibt es auch beim Wassergenuss das gewisse Maß.

 

Zu viel trinken, geht das wirklich? "Ja, definitiv. Denn der Körper kann pro Tag nur eine bestimmte Menge Flüssigkeit wieder ausscheiden", erklärt Professor Johannes Mann, Chefarzt der Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Rheumakrankheiten am Städtischen Klinikum München Schwabing.

 

Vor allem Herz-, Nieren- und Leberkranke müssen aufpassen

Der Organismus eines gesunden Erwachsenen kann ziemlich viel Wasser an einem Tag verkraften – bis zu zehn Liter. Aber auch eine wesentlich geringere Menge kann in bestimmten Fällen bereits Gefahr bergen.

Besonders vorsichtig müssen Herz-, Nieren- und Leberpatienten sein. Aufgrund ihrer Krankheit dürfen sie häufig nicht so viel trinken wie Gesunde. Die geschwächten Organe sind mit zu viel Wasser schlichtweg überfordert. "Der oft gegebene Tipp für Nierengeschädigte, mindestens drei Liter pro Tag zu trinken, ist in der Regel nicht sinnvoll. Eine Ausnahme stellen Nierensteinpatienten dar", so Mann. Wer an Herz-, Nieren- oder Leberkrankheiten leidet sollte daher die angemessene Trinkmenge mit seinem behandelnden Arzt abstimmen und sich daran halten.

 

Eine weitere gefährdete Gruppe sind die Ausdauerathleten, beispielsweise Marathonläufer. Manche davon trinken auf ihrer Route deutlich zu viel reines Wasser, weil sie eine Austrocknung befürchten. Das Gegenteil tritt dann ein. "Schmale Frauen müssen hier noch mehr aufpassen als schwere Männer", erklärt Mann. Ebenfalls nicht ideal: Wenn ein Mensch sehr viel klares Wasser trinkt und dabei wenig isst. "Das müssen zum Beispiel Diättreibende beachten", erklärt Mann.

 

Die gesunde Tagesdosis

Wie viel Wasser ist nun empfehlenswert? "Ein gesunder Erwachsener sollte so viel trinken, wie er Durst hat", rät Nierenarzt Mann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät Gesunden: Trinken Sie 1,5 Liter Wasser pro Tag, an heißen Tagen, oder wenn Sie viel schwitzen, bis zu drei Liter. Hat man einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf, beispielsweise aufgrund von Durchfall, Erbrechen oder starkem Schwitzen, sollte man diesen natürlich wieder auffüllen. Jedoch nicht mit reinem Wasser: Besser geeignet sind bei Durchfall zum Beispiel gesüßter Tee oder Elektrolytlösungen aus der Apotheke.

 

Das Durstgefühl lässt im Alter nach

Ältere Menschen müssen aufpassen, da das Durstgefühl mit den Jahren nachlässt. Dr. Amin Aschour, Arzt für Allgemeinmedizin in Wien, kennt dieses Phänomen aus der Praxis sehr gut: "Je älter die Menschen werden, umso schlechter funktioniert das Durstzentrum im Gehirn." Die Folge: Ältere Menschen müssen sich häufig zum Trinken zwingen. "Vor allem ältere Patienten, die unter Inkontinenz leiden, trinken fast immer zu wenig", weiß Aschour. Überprüfungstrick: Bei einem Mensch, der deutlich zu wenig getrunken hat, bleibt eine gekniffene Hautfalte einfach stehen und sackt nicht gleich wieder zurück.

 

Gesteigerter Durst als Anzeichen einer Krankheit

Aber auch der gegenteilige Fall ist dem Allgemeinmediziner durchaus bekannt: Menschen, die zu viel trinken, weil sie krank sind. "Wenn ein Patient beispielsweise überdurchschnittlich viel trinkt, weil er sehr häufig uriniert, ist das oftmals das erste Anzeichen für einen manifesten Diabetes," so Aschour. Aber auch für sämtliche Formen einer Überfunktion der Nebenschilddrüse können häufiges Wasserlassen und der daraus resultierende scheinbar unstillbare Durst Anzeichen sein. Falls Sie das Gefühl haben, an einem übermäßigen Durstgefühl zu leiden, suchen Sie einen Arzt auf. Er kann klären, ob eine Krankheit dahinter steckt.

Eine Ausnahme unter den Trinkempfehlungen bilden die Harnsteinpatienten. Ihnen rät Mann dazu, ruhig mehr zu trinken um die Bildung der schmerzhaften Steine zu verhindern: "Zwei bis drei Liter Urin täglich sind für diese Leute gut." Wie andere Nierenkranke stimmen daher auch Harnsteinpatienten ihre Trinkmenge am besten mit dem behandelnden Arzt ab.

 

Und ein letzter Punkt sei an dieser Stelle aufgeklärt: Auf Vorrat trinken funktioniert beim Menschen nicht. "Wir sind keine Kamele", so Mann.

 

Quelle: Apotheken-Umschau.de

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